Hier einmal Informationen, die Sie vielleicht interessieren. Es geht hier ausschließlich um Düfte in unserern Seifen, das Verhalten, das Verarbeiten, die Probleme, die entstehen könnten, bei der CP Verseifung.
Ein Duftöl kann in einer Seife vollkommen anders reagieren als im Flakon. Manche Duftkompositionen lassen sich problemlos einarbeiten und bleiben über Monate stabil. Andere beschleunigen das Andicken des Seifenleims, verändern die Farbe oder entwickeln nach der Verseifung ein anderes Duftprofil.
Diese Effekte bedeuten nicht automatisch, dass ein Duftöl qualitativ schlecht ist. Sie zeigen vielmehr, dass eine Duftkomposition und eine Seifenrezeptur ein gemeinsames chemisches System bilden. Erst in diesem System wird sichtbar, wie sich die einzelnen Duftstoffe unter dem Einfluss von Alkalität, Wasser, Temperatur, Sauerstoff, Fetten und weiteren Rezepturbestandteilen verhalten.
Wer professionelle Duftseife herstellen möchte, sollte deshalb nicht nur den Geruch des Duftöls bewerten. Ebenso wichtig sind seine Verarbeitungseigenschaften, die Farbstabilität, die Duftentwicklung während der Reifung und die zulässige Einsatzkonzentration.
Passende Duftkompositionen für verschiedene Seifenanwendungen finden Sie in unserer Kategorie Duftöl für Seife.
Ein Duftöl besteht nicht aus einem einzigen aromatischen Stoff. Es ist eine komplexe Mischung unterschiedlicher Molekülklassen, zu denen beispielsweise Alkohole, Ester, Aldehyde, Ketone, Terpene, Ether, Lactone und phenolische Verbindungen gehören können.
Diese Stoffe unterscheiden sich unter anderem in:
Bei der Kaltverseifung treffen diese Stoffe auf ein zunächst stark alkalisches Reaktionsmedium. Gleichzeitig findet die Verseifung der Fette statt, Wasser wird gebunden oder verdunstet, die Temperatur kann ansteigen und die entstehende Seifenmatrix verändert sich während der folgenden Tage und Wochen.
Auch eine ausgereifte klassische Seife bleibt in der Regel alkalischer als die menschliche Haut. Daher kann sich ein Duftstoff, der in Alkohol, Wachs oder einer neutraleren kosmetischen Basis stabil ist, in Seife anders verhalten.
Das beschleunigte Andicken des Seifenleims wird in der Seifenherstellung häufig als „Acceleration“ bezeichnet. In besonders ausgeprägten Fällen kann die Masse innerhalb kurzer Zeit sehr fest werden. Umgangssprachlich wird dieser Effekt gelegentlich als „Blitzbeton“ beschrieben.
Dabei ist wichtig: Nicht jede schnelle Verdickung hat dieselbe Ursache.
Einige Bestandteile der Duftkomposition können das Reaktionsumfeld so verändern, dass die Verseifung und Strukturbildung schneller sichtbar werden. Gleichzeitig beeinflussen Temperatur, Wassermenge, Fettzusammensetzung und Mischintensität die Geschwindigkeit der Reaktion.
Ein Rezept mit einem hohen Anteil fester Fette, wenig Wasser und hoher Verarbeitungstemperatur kann bereits ohne Duftöl schnell andicken. Wird anschließend eine anspruchsvolle Duftkomposition hinzugefügt, kann der Effekt deutlich stärker erscheinen.
Der Seifenleim ist während der frühen Verarbeitungsphase eine komplexe Emulsion. Ein Duftöl kann die Löslichkeit und Verteilung einzelner Bestandteile verändern. Dadurch kann die Masse plötzlich dickflüssiger, körnig oder scheinbar getrennt wirken.
Nicht jede solche Veränderung ist bereits eine vollständig beschleunigte Verseifung. Manchmal handelt es sich um eine vorübergehende Veränderung der Emulsionsstruktur oder um einen sogenannten False Trace.
Die Verseifung ist eine exotherme Reaktion. Wird mit warmen Ölen, warmer Lauge oder stark isolierter Form gearbeitet, kann die Temperatur im Seifenleim zusätzlich steigen. Höhere Temperaturen beschleunigen viele chemische und physikalische Prozesse und verkürzen dadurch die verfügbare Verarbeitungszeit.
Deshalb kann dasselbe Duftöl in einer kühlen Rezeptur ausreichend lange flüssig bleiben, während es in einer wärmeren Rezeptur sehr schnell andickt.
Es ist nicht wissenschaftlich zuverlässig, pauschal zu behaupten, dass alle floralen, würzigen oder fruchtigen Duftöle den Seifenleim beschleunigen.
Zwei Duftöle können beide als „Rose“ oder „Vanille“ beschrieben werden und trotzdem aus sehr unterschiedlichen aromatischen Rohstoffen bestehen. Entscheidend ist nicht nur der Duftname, sondern die tatsächliche Zusammensetzung der jeweiligen Duftformel.
Das Verhalten eines Duftöls muss deshalb immer produktspezifisch geprüft werden.
Vanillin ist ein wichtiger Duftstoff für Vanille-, Schokoladen-, Karamell-, Kaffee-, Gebäck-, Honig- und zahlreiche orientalische Kompositionen. Es besitzt eine charakteristische warme, süße und balsamische Geruchswirkung.
Chemisch gehört Vanillin zu den aromatischen Aldehyden und enthält zugleich eine phenolische Gruppe. Unter dem Einfluss von Sauerstoff, Licht, Wärme und alkalischen Bedingungen kann es zu Oxidations- und Folgereaktionen kommen. Dabei können stärker gefärbte Reaktionsprodukte entstehen.
Aus diesem Grund kann eine zunächst helle Seife während der ersten Tage oder Wochen:
werden.
Die Intensität der Verfärbung hängt nicht nur davon ab, ob Vanillin vorhanden ist. Relevant sind auch seine Konzentration, die übrige Duftformel, der pH-Wert, die Temperatur, der Luftkontakt, die Seifenbasis, die Gelphase und die Lagerzeit.
Untersuchungen zur Chemie von Vanillin zeigen, dass der Stoff unter alkalischen und oxidativen Bedingungen reagieren und unterschiedliche Folgeprodukte bilden kann. Das erklärt, warum die Farbveränderung häufig nicht sofort, sondern erst nach und nach sichtbar wird.
Neben Vanillin wird in Duftkompositionen auch Ethylvanillin eingesetzt. Es besitzt eine besonders intensive, süße Vanillewirkung und kann ebenfalls zu deutlichen Farbveränderungen führen.
Eine Duftkomposition muss nicht ausdrücklich „Vanille“ heißen, um Vanillin oder Ethylvanillin zu enthalten. Diese Stoffe können auch Bestandteil von Düften mit den Bezeichnungen Karamell, Cookies, Schokolade, Cappuccino, Honig, Milch, Tabak, Amber oder Oriental sein.
Die Duftbeschreibung allein ist deshalb keine sichere Aussage über die spätere Farbe der Seife.
Eine vorhersehbare Farbveränderung durch einen Duftbestandteil ist nicht automatisch ein Beweis für eine schlechte Duftqualität. Sie ist zunächst eine Wechselwirkung zwischen Duftformel und Seifenmatrix.
Für die Produktentwicklung ist jedoch entscheidend, ob die Veränderung:
Eine gleichmäßige karamellbraune Farbe kann bei einer Kaffee-, Schokoladen- oder Vanilleseife gestalterisch sinnvoll sein. Bei einer weißen Baumwoll-, Jasmin- oder Frühlingsseife wäre derselbe Effekt vermutlich unerwünscht.
Professionelle Produktentwicklung bedeutet daher nicht, jede Verfärbung grundsätzlich verhindern zu wollen. Entscheidend ist, das Verhalten frühzeitig zu kennen und bewusst in das Produktkonzept einzubeziehen.
Duftveränderungen in Seife entstehen nicht nur durch eine chemische Reaktion. Auch die unterschiedliche Flüchtigkeit der Duftbestandteile spielt eine wichtige Rolle.
Leichte Kopfnoten können während der Verarbeitung, Gelphase und Reifung schneller verloren gehen. Dazu gehören häufig bestimmte:
Schwerere Herz- und Basisnoten werden von der Seifenmatrix oft anders gebunden und können nach der Reifung deutlicher wahrnehmbar sein.
Darüber hinaus können bestimmte Ester in alkalischer Umgebung hydrolytisch verändert werden. Aldehyde und empfindliche Terpenverbindungen können oxidieren oder mit anderen Bestandteilen der Rezeptur reagieren. Dadurch kann sich nicht nur die Intensität, sondern auch der Charakter der Duftkomposition verschieben.
Deshalb sollte ein Duft für Seife niemals ausschließlich unmittelbar nach dem Einfüllen beurteilt werden.
Bei der Kaltverseifung wird das Duftöl in ein noch reagierendes System eingearbeitet. Alkalität, Wärmeentwicklung, Wassergehalt und Verseifungsdauer können die Duftkomposition beeinflussen.
Hier sollten besonders geprüft werden:
Bei der Heißverseifung wird ein wesentlicher Teil der Verseifungsreaktion vor der Zugabe empfindlicher Zusatzstoffe abgeschlossen. Das kann bei bestimmten Duftstoffen Vorteile bieten.
Trotzdem bleiben die Seifenmasse, die Temperatur und das Endprodukt alkalisch. Auch bei Hot Process sind deshalb Stabilitäts-, Geruchs- und Farbtests notwendig.
Bei Melt & Pour wird mit einer bereits hergestellten Seifenbasis gearbeitet. Die Duftkomposition ist dadurch nicht demselben aktiven Verseifungsprozess ausgesetzt wie bei Cold Process.
Dennoch können zu hohe Verarbeitungstemperaturen, eine ungeeignete Dosierung oder eine unzureichende Kompatibilität zu folgenden Problemen führen:
Auch bei Melt & Pour muss die maximal empfohlene Duftzugabe des Basisherstellers beachtet werden.
Ein problematisches Duftöl lässt sich nicht in jeder Rezeptur vollständig kontrollieren. Die folgenden Maßnahmen können jedoch die verfügbare Verarbeitungszeit verlängern.
Öle und Laugenlösung sollten nicht unnötig heiß verarbeitet werden. Niedrigere Temperaturen können die Reaktionsgeschwindigkeit reduzieren. Zu kaltes Arbeiten kann allerdings ebenfalls zu falschem Trace oder ungleichmäßiger Verarbeitung führen.
Die optimale Temperatur muss deshalb für die konkrete Rezeptur bestimmt werden.
Ein hoher Anteil schnell fest werdender Fette kann den Seifenleim zusätzlich beschleunigen. Für aufwendige Swirls eignet sich häufig eine Rezeptur mit längerer Verarbeitungszeit besser als eine sehr harte, schnell zeichnende Fettmischung.
Wird der Seifenleim bereits vor der Duftzugabe stark püriert, bleibt wenig Verarbeitungszeit. Für empfindliche Duftöle kann es sinnvoll sein, zunächst nur eine stabile, noch dünnflüssige Emulsion herzustellen.
Nach Erreichen der Emulsion kann das Duftöl vorsichtig mit einem Spatel oder Schneebesen eingearbeitet werden. Starkes weiteres Pürieren beschleunigt die Verdickung zusätzlich.
Wenn ein Duftöl reproduzierbar schnell andickt, ist eine einfarbige Seife oder ein einfaches Schichtdesign häufig zuverlässiger als ein filigraner Swirl.
Ein technisch anspruchsvolles Duftöl kann für eine hochwertige Seife durchaus geeignet sein – nur möglicherweise nicht für jedes Design.
Ein standardisierter Test liefert deutlich zuverlässigere Ergebnisse als eine einmalige große Charge.
Arbeiten Sie beispielsweise mit einer kleinen, reproduzierbaren Fettmenge. Verwenden Sie bei jeder Testreihe:
Stellen Sie zusätzlich eine unparfümierte Kontrollseife her. Nur so lässt sich erkennen, welche Veränderung tatsächlich durch das Duftöl verursacht wurde.
| Prüfzeitpunkt | Beobachtung |
|---|---|
| unmittelbar nach Duftzugabe | Fließverhalten, Klumpenbildung, Temperatur |
| nach 5 Minuten | Geschwindigkeit des Andickens |
| nach 24 Stunden | Farbe, Oberfläche, Geruch, Gelphase |
| nach 7 Tagen | beginnende Verfärbung, Duftcharakter |
| nach 28 Tagen | Duftintensität, Farbe, Härte, Homogenität |
| nach 8–12 Wochen | Lagerstabilität und Duftentwicklung |
Fotografieren Sie jeden Test unter vergleichbaren Lichtbedingungen und dokumentieren Sie alle Mengen in Gramm. Aussagen wie „etwas Duftöl“ oder „ungefähr dieselbe Temperatur“ sind für eine professionelle Auswertung nicht ausreichend.
Weitere Grundlagen zur technischen Bewertung finden Sie in unserem Beitrag Stabilität von Duftölen in Kerzen, Seifen, Diffusern und wasserbasierten Systemen.
Es gibt keinen universellen Prozentwert, der für jedes Duftöl und jede Seife gleichermaßen gilt.
Die tatsächlich zulässige und technisch sinnvolle Einsatzmenge ergibt sich aus mehreren Grenzen:
Ein IFRA-Wert ist dabei keine Empfehlung, wie viel Duftöl für einen besonders starken Geruch verwendet werden sollte. Er beschreibt eine sicherheitsbezogene maximale Einsatzkonzentration für eine bestimmte Anwendungskategorie.
Die technisch sinnvolle Konzentration kann deutlich unter diesem Maximalwert liegen. Außerdem ersetzt ein IFRA-Zertifikat keine vollständige Sicherheitsbewertung des fertigen kosmetischen Produktes.
Eine ausführliche Berechnung finden Sie in unserem Beitrag Duftöl für Seife richtig dosieren. Die dort genannten Orientierungswerte müssen immer mit der produktspezifischen Dokumentation und der eigenen Rezeptur abgeglichen werden.
Produkte, die als Vanillestabilisator angeboten werden, können die sichtbare Verfärbung in bestimmten kosmetischen Systemen verzögern oder reduzieren. Ihre Wirkung ist jedoch abhängig von:
Ein Stabilisator garantiert deshalb nicht, dass eine Cold-Process-Seife dauerhaft weiß bleibt. Bei manchen Rezepturen wird die Verfärbung lediglich verzögert.
Vor einer gewerblichen Anwendung müssen Stabilität, Sicherheit und regulatorische Eignung des zusätzlichen Rohstoffs geprüft werden.
Eine konzentrierte Duftkomposition riecht aus der Flasche anders als in der ausgereiften Seife. Die Bewertung muss im tatsächlichen Endprodukt erfolgen.
Nach 24 Stunden ist die Duftentwicklung noch nicht abgeschlossen. Eine belastbare Bewertung sollte erst nach der vorgesehenen Reifezeit und zusätzlich nach längerer Lagerung erfolgen.
Wer Duftöl, Fettmischung, Wassermenge, Temperatur und Farbstoff gleichzeitig ändert, kann die Ursache eines Problems nicht mehr eindeutig feststellen.
Ohne unparfümierte Vergleichsseife lässt sich nicht sicher beurteilen, ob das Duftöl oder die Grundrezeptur für Andicken, Überhitzung oder Verfärbung verantwortlich ist.
Eine typische Verarbeitungsmenge und eine regulatorische Maximalkonzentration sind nicht dasselbe. Für jedes Duftöl muss die zugehörige Dokumentation geprüft werden.
Dass ein Duftöl Seife verfärbt, den Seifenleim andickt oder nach der Reifung anders riecht, lässt sich nicht allein anhand des Duftnamens vorhersagen.
Entscheidend sind:
Vanillin und Ethylvanillin können unter alkalischen und oxidativen Bedingungen eine beige bis braune Verfärbung verursachen. Andere Duftbestandteile können die Emulsion, die Reaktionsgeschwindigkeit oder das spätere Duftprofil beeinflussen.
Professionelle Seifenherstellung bedeutet deshalb, eine Duftkomposition nicht nur sensorisch, sondern auch technisch zu bewerten. Kleine, standardisierte Testansätze sind dabei wesentlich aussagekräftiger als eine pauschale Dosierungsempfehlung.
Von Aroma Nova!